Warum bin ich kurz vor meiner Periode so müde? Weshalb verändert sich mein Zervixschleim? Wann sind eigentlich meine fruchtbaren Tage? Und warum fühle ich mich in manchen Tagen des Zyklus voller Energie und an anderen eher nach Rückzug?

Vielleicht hast du dir eine dieser Fragen schon einmal gestellt.

Der Menstruationszyklus ist nämlich weit mehr als die paar Tage, an denen wir unsere Periode bekommen. Jeden Monat durchläuft unser Körper verschiedene hormonelle Veränderungen. Dabei bereitet er sich immer wieder auf eine mögliche Schwangerschaft vor.

Und genau deshalb lohnt es sich, den eigenen Zyklus besser zu verstehen.

Denn je mehr wir wissen, was in unserem Körper passiert, desto leichter können wir Veränderungen einordnen. Wir erkennen vielleicht früher, was für uns persönlich typisch ist und wann etwas aus dem gewohnten Rahmen fällt.

Was ist der Menstruationszyklus?

Der Menstruationszyklus ist ein wiederkehrender biologischer Prozess, der mit dem ersten Tag der Menstruation beginnt und am Tag vor der nächsten Menstruation endet.

Dabei verändern sich verschiedene Hormone. Sie steuern unter anderem die Reifung einer Eizelle, den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und den Eisprung.

Kommt es nicht zu einer Befruchtung, sinken bestimmte Hormonspiegel wieder ab. Die Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen und die nächste Menstruation beginnt.

Der Zyklus startet also nicht mit dem Ende der Periode, sondern mit dem ersten Tag der Blutung.

Das klingt zunächst nach einem kleinen Detail. Für das Verständnis des eigenen Zyklus ist es aber wichtig.

Die 4 Phasen des Menstruationszyklus

Der Menstruationszyklus wird in vier Phasen eingeteilt:

  1. Menstruation
  2. Follikelphase
  3. Ovulation, also Eisprung
  4. Lutealphase

Die Phasen gehen ineinander über. Deshalb ist die Einteilung nicht so starr, wie sie manchmal dargestellt wird. Die Menstruation ist gleichzeitig der Beginn der Follikelphase.

Und noch etwas ist wichtig: Nicht jeder Zyklus dauert 28 Tage.

Die berühmten 28 Tage sind ein Durchschnittswert, aber kein Muss. Zyklen können unterschiedlich lang sein und sich auch von Monat zu Monat verändern.

1. Menstruation: Der Zyklus beginnt

Der erste Tag der Blutung ist Tag 1 des neuen Zyklus.

Während der Menstruation wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen, die sich im vorherigen Zyklus aufgebaut hatte. Die Blutung dauert bei vielen Frauen etwa drei bis sieben Tage, kann aber individuell unterschiedlich sein.

Vielleicht hast du während deiner Periode mehr Bedürfnis nach Ruhe. Vielleicht bist du aber auch voller Energie und möchtest deinen Alltag ganz normal gestalten.

Beides kann vorkommen.

Die Vorstellung, dass sich jede Frau während ihrer Menstruation automatisch zurückziehen möchte, greift deshalb zu kurz. Der Zyklus ist individuell und genauso unterschiedlich können auch die Empfindungen sein.

2. Follikelphase: Eine neue Eizelle reift heran

Die Follikelphase beginnt bereits am ersten Tag der Menstruation und endet mit dem Eisprung.

In den Eierstöcken beginnen mehrere Follikel zu reifen. In einem davon entwickelt sich eine Eizelle weiter. Gleichzeitig baut sich die Gebärmutterschleimhaut erneut auf.

Für viele Frauen ist diese Phase interessant, weil sich auch das eigene Energiegefühl verändern kann.

Nach der Menstruation erleben manche Frauen beispielsweise, dass sie wieder mehr Energie haben, sich leichter konzentrieren können oder mehr Lust auf Aktivitäten bekommen.

Das bedeutet nicht, dass jede Frau genau das erleben muss. Aber genau hier beginnt ein wichtiger Schritt: den eigenen Körper beobachten, statt von ihm zu erwarten, dass er jeden Monat gleich funktioniert.

3. Ovulation: Der Eisprung

Beim Eisprung wird eine reife Eizelle aus dem Eierstock freigesetzt.

Sie wandert anschließend in Richtung Eileiter und kann dort für ungefähr 12 bis 24 Stunden befruchtet werden.

Die fruchtbare Phase ist allerdings größer als nur dieser eine Tag. Spermien können mehrere Tage im weiblichen Körper überleben. Deshalb können auch die Tage vor dem Eisprung für eine Schwangerschaft relevant sein.

Rund um den Eisprung können verschiedene körperliche Veränderungen auftreten.

Ein bekanntes Zeichen ist beispielsweise der Zervixschleim. Er kann kurz vor dem Eisprung klarer, flüssiger und dehnbarer werden.

Manche Frauen nehmen außerdem ein leichtes Ziehen im Unterbauch wahr oder beobachten Veränderungen bei ihrer Stimmung, Energie oder Libido.

Wer seinen Zyklus kennenlernt, beginnt häufig genau hier, genauer hinzuschauen.

4. Lutealphase: Der Körper wartet ab

Nach dem Eisprung beginnt die Lutealphase, auch Gelbkörperphase genannt.

Aus dem zurückgebliebenen Follikel entsteht der sogenannte Gelbkörper. Er produziert unter anderem Progesteron. Dieses Hormon unterstützt den Aufbau und Erhalt der Gebärmutterschleimhaut, damit sich eine befruchtete Eizelle einnisten könnte.

Kommt es nicht zu einer Befruchtung, bildet sich der Gelbkörper zurück. Die Hormonspiegel verändern sich und die Gebärmutterschleimhaut wird schließlich abgestoßen.

Die nächste Menstruation beginnt.

Und damit beginnt der Zyklus wieder von vorne.

Wie lang ist ein normaler Menstruationszyklus?

Eine häufige Frage lautet: Wie viele Tage sollte ein Zyklus eigentlich dauern?

Die Antwort ist weniger eindeutig, als viele denken.

Die Zykluslänge kann individuell unterschiedlich sein. Entscheidend ist deshalb nicht nur eine einzelne Zahl, sondern auch, wie sich der Zyklus über mehrere Monate entwickelt.

Um die eigene Zykluslänge zu berechnen, zählt man vom ersten Tag der Menstruation bis zum Tag vor Beginn der nächsten Menstruation.

Wer beispielsweise über mehrere Monate den ersten Blutungstag notiert, bekommt mit der Zeit ein deutlich besseres Bild vom eigenen Zyklus.

Eine Zyklus-App kann dabei helfen. Sie ersetzt allerdings nicht die eigene Beobachtung und sollte insbesondere bei der Bestimmung der fruchtbaren Tage nicht als alleinige Grundlage für eine sichere Verhütung verwendet werden.

Wann sind die fruchtbaren Tage?

Die fruchtbaren Tage liegen rund um den Eisprung.

Da der genaue Zeitpunkt des Eisprungs nicht bei jeder Frau gleich ist und sich auch innerhalb eines Zyklus verschieben kann, reicht es nicht aus, einfach von einem festen „14. Zyklustag“ auszugehen.

Wer seine fruchtbaren Tage besser kennenlernen möchte, kann verschiedene Körperzeichen beobachten. Dazu gehören beispielsweise der Zervixschleim und die Basaltemperatur.

Gerade hier zeigt sich, warum Zykluswissen so wertvoll sein kann: Der Körper sendet täglich Signale. Wir müssen nur lernen, sie wahrzunehmen und richtig einzuordnen.

Was passiert bei Zyklusstörungen?

Nicht jeder Zyklus verläuft gleich. Veränderungen können völlig harmlos sein, manchmal steckt jedoch auch eine Ursache dahinter, die ärztlich abgeklärt werden sollte.

Mögliche Beschwerden und Veränderungen sind beispielsweise:

  • sehr starke oder sehr schwache Blutungen
  • ungewöhnlich lange oder kurze Zyklen
  • ausbleibende Menstruation
  • Zwischen- oder Schmierblutungen
  • starke Regelschmerzen
  • ausgeprägte Beschwerden vor der Menstruation
  • unregelmäßige Zyklen

Wichtig ist dabei: Nicht jede Abweichung bedeutet automatisch, dass etwas nicht stimmt.

Gleichzeitig sollten starke oder anhaltende Beschwerden nicht einfach als „das ist eben so“ abgetan werden.

Warum es sich lohnt, den eigenen Zyklus zu kennen

Der Menstruationszyklus ist kein Uhrwerk.

Er reagiert auf viele Einflüsse. Stress, Schlaf, Ernährung, Erkrankungen, Reisen und hormonelle Veränderungen können den Zyklus beeinflussen.

Deshalb geht es beim Zykluswissen auch nicht darum, jeden Monat einen perfekten 28-Tage-Zyklus zu erreichen.

Es geht vielmehr darum, den eigenen Körper kennenzulernen.

Vielleicht bemerkst du irgendwann, dass deine Energie regelmäßig zu einem bestimmten Zeitpunkt abnimmt. Vielleicht erkennst du, dass du kurz vor deiner Periode empfindlicher auf Stress reagierst. Oder du stellst fest, dass dein Zervixschleim sich rund um den Eisprung verändert.

Solche Beobachtungen können dabei helfen, den eigenen Körper besser zu verstehen.

Mein Fazit

Der Menstruationszyklus besteht aus vier miteinander verbundenen Phasen. Menstruation, Follikelphase, Eisprung und Lutealphase erfüllen jeweils unterschiedliche Aufgaben und werden maßgeblich durch Hormone gesteuert.

Dabei ist kein Zyklus wie der andere.

Genau deshalb möchte ich in meinem Blog nicht nur erklären, was während der einzelnen Phasen passiert. Ich möchte auch zeigen, wie du deinen Zyklus beobachten, Veränderungen besser verstehen und deinen Körper bewusster kennenlernen kannst.

In den nächsten Artikeln gehe ich deshalb noch genauer auf die einzelnen Zyklusphasen ein. Wir schauen uns an, was während der Menstruation, Follikelphase, rund um den Eisprung und in der Lutealphase passiert.

Außerdem beschäftigen wir uns mit typischen Zyklusstörungen und der Frage, wann Beschwerden noch im individuellen Rahmen liegen und wann es sinnvoll ist, genauer hinzuschauen.

Denn Zykluswissen bedeutet nicht, dass dein Körper jeden Monat funktionieren muss wie ein Uhrwerk.

Es bedeutet, ihn besser zu verstehen.


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